Erdbeeranbau und -ernte in Deutschland

09.05.2016 (AMI) – Die Erdbeersaison 2016 startete zunächst zögerlich, zumindest was das deutsche Angebot angeht. Einen echten Frühstart legten dagegen die spanischen Erdbeeren hin, die aufgrund günstiger Witterungsbedingungen früher als in anderen Jahren verfügbar waren. Dadurch kam es im Übergang auf die nordeuropäische Saison mitunter zu Angebotslücken.

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Deutsche Erdbeeren waren von Anfang an gesucht und erzielten vergleichsweise hohe Preise. Der Markt war sowohl für das deutsche Angebot als auch für die Zufuhren aus dem Benelux-Raum sehr aufnahmefähig, vor allem zum ersten Nachfragehöhepunkt, dem Muttertag.

Mit Pfingsten folgt schon zum Ende der 19. Woche ein weiterer Nachfragehöhepunkt. Durch die hohen Temperaturen der vergangenen Tage kommt die Ernte gerade rechtzeitig in Schwung. Zu den Erdbeeren aus dem Tunnelanbau werden sich mehr und mehr die ersten Ernten aus dem folienverfrühten Freilandanbau gesellen. Von dem frühsommerlichen Wetter profitiert auch die Nachfrage, so dass sich der Markt zunächst noch recht ausgeglichen entwickeln wird.

Knappheit und Schwemme im Juni 2015
Die Erdbeersaison 2015 stand unter dem Einfluss der extremen Witterungsbedingungen im Zick-Zack-Sommer. Phasen mit zu knappem Angebot und Angebotsschwemmen wechselten sich ab. Auch Niedrigpreise blieben nicht aus, obwohl die Branche im Vorfeld intensiv über die gestiegenen Produktionskosten informiert und diskutiert hatte. In der Gesamtbetrachtung war der frühe Teil der Erdbeersaison 2015 der bessere. Im Juni folgte die Angebotsschwemme und im Juli schlugen Hitze und Starkregen zu.

Die privaten Haushalte in Deutschland haben 2015 rund 4 % weniger deutsche Erdbeeren eingekauft als im Jahr davor. Ein Grund für die Kaufzurückhaltung könnten die höheren Preise gewesen sein, denn im Durchschnitt mussten die Verbraucher 8 % mehr für Erdbeeren bezahlen. Von der Kaufzurückhaltung waren nicht nur die deutschen Erdbeeren betroffen. Auch die Einkaufsmenge von Import-Erdbeeren blieb um 12 % hinter der des Vorjahres zurück. Die Tendenz, weniger Import-Erdbeeren zu kaufen, hält schon mehrere Jahre an.

Erste Schätzungen lassen kleinere Fläche erwarten
Über die Erdbeerernte 2015 in Deutschland wurde viel diskutiert. Mehrere Faktoren sprechen dafür, dass sie kleiner gewesen sein muss als im Jahr zuvor. Die deutschen Erzeugermärkte haben eine kleinere Menge abgesetzt, und auch die privaten Verbraucher haben weniger Erdbeeren eingekauft. Aufgrund von extremen Witterungsbedingungen im Sommer 2015 kam es zu Ausfällen, und die Fruchtgrößen haben schneller abgebaut als in anderen Jahren. Zudem war die Ertragsfläche für die Saison 2015 eingeschränkt worden. Die offizielle Produktionsstatistik kommt jedoch trotz dieser Rahmenbedingungen zu einem anderen Schluss. Mit 172.600 t wurden 2 % mehr Erdbeeren als 2014 geerntet. Die bisherige Rekordernte aus dem Jahr 2006 wurde damit nur knapp verfehlt. Erdbeeren wurden in Deutschland 2015 auf einer Fläche von 14.718 ha geerntet. Während der Anbau im Freiland eingeschränkt wurde, hat die geschätzte Produktion zugenommen. Eine Tendenz, die auch 2016 Bestand haben dürfte.

Eine AMI-Befragung unter wichtigen Erdbeer-Vermarktern lässt für die aktuelle Saison eine weitere leichte Einschränkung der Anbaufläche erwarten. Tendenzen zur Flächenausweitung sind eher die Ausnahme. Ob sich das dann auch auf die Erntemenge auswirkt, hängt wie so oft vom Wetter während der Saison ab. Mitte Mai läuft in Deutschland im Schwerpunkt noch die Ernte in den Folientunneln. In den frühen Gebieten ist aber auch die Ernte der folienverfrühten Freilandflächen angelaufen. Sie wird ihren Höhepunkt in der zweiten Maihälfte erreichen.